Verhaltensauffälligkeiten in der Kita – ein Erfahrungsbericht

Als Vorschulpädagogin habe ich mir während meines Studiums nicht vorstellen können, welche Zustände mir in meinem späteren Berufsleben in deutschen Kitas begegnen werden: ein haarsträubendes Theater, ein täglich wiederkehrendes reales Drama, in dem das Kita-Personal und die ihm anvertrauten Kleinkinder in den Hauptrollen sind.

Persönliche Zweifel und Schuldgefühle

Ich zweifelte oft an meiner persönlichen Wahrnehmung. Wie oft hatte ich Schuldgefühle, weil die Kleinkinder während des Kita-Tages fast ausschließlich Massenunterbringung in altersgemischten Gruppen und „freies Spiel“ unter unachtsamer und unsensibler Aufsicht erlebten?!

Körperpflege und die Befriedigung von körperlichen Grundbedürfnissen wie Essen, Trinken, Ruhen wurden zwar realisiert, aber qualitativ oft sehr minderwertig.

Die Rolle der Kita-Fachkräfte

Ja, die gesetzlich vorgegebenen Rahmenbedingungen sind unzufriedenstellend und optimierungsbedürftig. Dennoch bin ich der Meinung: Fachkräfte machen Kitas aus. Die Realität in der Kita ist so „schlecht“, wie man sie sich auch selbst macht.

Das mögen für manche Leser sehr gewagte Behauptungen sein…

Ein Blick hinter die Kulissen

Bekäme sie/er allerdings – mit einer versteckten Kamera – einen Einblick hinter die Fassade mancher Kita-Häuser, wenn Eltern (und Kita-Leitung) nicht direkt anwesend sind – würde es vielen Lesern auf drastische Weise einleuchten, warum ich so denke.

Erschütternde Beobachtungen

Realität bereits am frühen Morgen: Unzufriedene, mürrische Gemüter beim Personal… Sich Beklagen, bösartiges Gerede, abwertendes Verurteilen von Kindern, Eltern, Kolleginnen, Vorgesetzten… Alles sei so schrecklich, so unmöglich, so furchtbar; oft nur, weil etwas oder jemand nicht ins persönliche Weltbild passt. Es kommt vor, dass solche „Fachkräfte“ – gefangen in ihrer fachlichen Inkompetenz und persönlichen Negativität – das ganze soziale Klima einer Kita prägen.

Eltern bringen morgens das Kostbarste, das Liebste ihres Lebens in die Kita: ihr Kleinkind. Sie könnten sich nicht vorstellen, dass die heuchlerische, von einem falschen Lächeln begleitete Begrüßung mancher Kita-Mitarbeiterinnen sofort verschwindet, nachdem die Tür geschlossen ist. Und das abwertende Kommentieren beginnt: O weh, wenn Eltern ihr Kleinkind mit voller Windel abgegeben haben, weil sie es eilig hatten… Oder wenn Eltern vergessen haben, etwas mitzubringen, worauf sie am vorigen Tag vielleicht hingewiesen wurden…; „Rabeneltern!“

Vorbildfunktion und Verantwortung?

Es ist nicht der Rede wert, was manche „Fachkräfte“ sich in der Anwesenheit der Kinder und ihrer Kolleginnen im Kita-Alltag erlauben. Aber solchen „Kita-Experten“ geben Eltern ihr Liebstes ab und vertrauen ihnen die außerfamiliäre Betreuung, Erziehung und Bildung ihres Kleinkindes an.

Jeder Elternteil wäre bestürzt, wenn er/sie erleben würde, dass (innerhalb der Kita) so viel Schroffheit und Unkultiviertheit seitens des sogenannten Fachpersonals vorgelebt und praktiziert werden: grober Umgangston, derbe Ausdrucksweise, beschämende Kommentare, unreflektierte und pädagogisch unsinnige Anweisungen und Verbote, respektloses Verhalten, psychisch ausgeübter (sei es bewusst oder unbewusst) Machtmissbrauch.

All das hat nichts mit Akzeptanz, Empathie, Verständnis, achtsam-wertschätzender Haltung und einem mitfühlenden, kultivierten Umgang mit kleinen, schutzbedürftigen Kindern zu tun.

Verhaltensauffälligkeiten beim Kita-Personal

Und all das bezeichne ich persönlich als Verhaltensauffälligkeiten beim Kita-Personal.

„Fachkräfte“, die so sehr mit sich selbst und ihren Problemen beschäftigt sind. „Fachkräfte“, deren Fokus auf alles Mögliche gerichtet ist, aber nicht auf die Erbringung qualitativ guter Betreuungs-, geschweige denn Bildungsarbeit. Und gerade die ersten Kindheitsjahre sind so zart, verletzlich, prägend.

„Kinder sind wie nasser Zement. Was auch immer auf sie fällt, hinterlässt einen Eindruck.“ (Haim Ginott)

Vorbildfunktion des Kita-Personals

Die Kleinkinder nehmen alles war, was um sie herum geschieht; auch wenn sie dem Anschein nach ins Spiel vertieft sind; auch wenn sie ihrer Mama und ihrem Papa noch nicht erzählen können, was sie in der Kita erlebt haben. Kleinkinder sehen, hören, beobachten und bezeugen, was ihre außerfamiliären erwachsenen Bezugspersonen „treiben“. Kinder fragen sich: Wer bin ich? Bin ich akzeptiert so wie ich bin? Wie soll ich mich verhalten? Warum wollen sie das von mir? Warum verstehen sie mich nicht? Was soll ich tun? Was ist richtig? Was ist falsch?

Welchen Eindruck hinterlassen wir in den Geistern und Herzen von Kleinkindern durch unser pädagogisches Tun und Handeln? Welches Vorbild in Wort und Tat präsentieren wir den Kleinkindern in der Kita?

Das Herz und der Spirit jedes Kleinkindes – der „Zement“, mit dem wir die Kunst der Pädagogik der frühen Kindheit realisieren – ist wirklich sehr weich, leicht zu beeindrucken. Ob durch Worte oder Taten – oder beides – die Macht eines Augenblicks, das sanfte, verletzliche Kindeswesen zum Guten oder Bösen zu beeinflussen, kann tiefgreifend sein.  Oft sind es die „stillen“ Taten und Worte, die den Sieg im Guten oder Schlechten davon tragen.

Persönliche Reflexion und Weiterentwicklung

Keiner von uns ist perfekt und fehlerfrei. Auch ich natürlich nicht. Unsere persönliche und berufliche Entwicklung und Weiterbildung ist ein lebenslanger Prozess, den wir durch kritisches Hinterfragen und Selbstreflexionsarbeit in Bewegung halten.

Die Rolle der Erziehung und Bildung

„Erziehung ist Beispiel und Liebe – sonst nichts.“ (Friedrich Fröbel)

Ich glaube fest daran, dass die kindliche Persönlichkeit – neben der Familie – auch von den außerfamiliären Bezugspersonen geprägt wird, die familienergänzend und familienunterstützend als Vorbilder, Entwicklungsbegleiter, Anleiter und Beschützer fungieren. Kinder lernen, indem sie beobachten und erleben, was wir Vorschulpädagogen ihnen vorleben.

Kinder können z.B. Empathie und Mitleid lernen, indem sie Empathie und Mitleid mit ihnen erfahren; indem sie selbst gesehen, geachtet, gefühlt, verstanden und respektiert werden!

„Kinder sind großartige Nachahmer. Gib ihnen also etwas Großartiges zum Nachahmen.“ (Anonym)

Einfluss außerfamiliärer Bezugspersonen auf die kindliche Persönlichkeitsentwicklung

Ich glaube auch fest daran, dass wir die zukünftige Gesellschaft schon heute gestalten. Ich glaube, dass wir das, was wir heute säen, eines Tages ernten werden. So wie wir – sei es in der Familie, im außerfamiliären Betreuungssetting oder in der Gesellschaft überhaupt – Kleinkinder behandeln, so werden diese erwachsen gewordenen Kinder eines Tages mit anderen jungen Menschen und mit uns – den zukünftigen Senioren – umgehen.

Jede einzelne pädagogische Fachkraft ist – bewusst oder unbewusst – Influencer im Kita-Alltag. Und ein Wort, eine Tat, ein Moment kann sich in das Herz eines Kindes einprägen und Spuren hinterlassen, die ein Leben lang bleiben.

Welchen Eindruck hinterlassen wir also in den Geistern und Herzen der uns anvertrauten Kleinkinder, wenn ihre Mama und ihr Papa nicht da sind?

Welche Bildungsräume, welche emotionalen Atmosphären schaffen wir für die Kleinkinder, wenn ihre Mama und ihr Papa nicht da sind?

Schaffen und kultivieren wir wirklich ein Happinest für die uns anvertrauten Kinder?

Die Happinest-Idee

Auch solche herzzerreißenden Erlebnisse und Erinnerungen, wie ich sie hier andeutungsweise geschildert habe, waren inspirierende Kraft bei der Entstehung meines frühkindlichen Bildungsformats: Eltern-Kind-Kurse für Kids von 1,5–5 Jahren. GESCHAFFEN für KINDER, INSPIRIERT von KINDERN. In Saarbrücken.