Der Schulstart: Realistische Anforderungen?!

Der Übergang von der Kita in die Schule, der Schulstart und die realistischen Anforderungen an Kleinkindern

Der Übergang von der Kita zur Schule

Was geschieht – beim Übergang in die Schule – mit so lernfreudigen, lernhungrigen, lernfähigen Kita-Kindern? Warum zeigen manche Kinder beim Schuleintritt plötzlich Aufmerksamkeitsprobleme, Lern- oder Verhaltensauffälligkeiten?

Eine veränderte Lernumgebung

Aber vielleicht sind es ja gar nicht die Kinder, die sich plötzlich verändern, sondern die neue Lernumgebung mit ihren deutlich gestiegenen Anforderungen?!

Mit dem Schulbeginn werden Kleinkinder auf einmal mit (neuen) ungewohnten Lernsituationen konfrontiert. Das vom freien Spiel und selbstbestimmten Lernen erfüllte Kita-Leben ist für die Kleinkinder dann oft plötzlich vorbei.

Neue Anforderungen für Kleinkinder

Sitzen bleiben. Stille halten. Zuhören. Aufmerksamkeit, Ausdauer, Konzentration zeigen. Anweisungen befolgen. Plötzlich haben Kinder auch feinmotorische Geschicklichkeitsleistungen zu erbringen wie Stifthaltung, Umgang mit Schere, Pinsel, Klebestift statt des freien selbstbestimmten Hantierens mit den besagten Requisiten. Leistungsanforderungen, Leistungsdruck.

Ein unrealistischer Wandel

Wie sollen Kleinkinder plötzlich Anforderungen entsprechen, auf die sie vorher während der ganzen Kita-Zeit nicht richtig vorbereitet worden sind?

Wie sollen Kleinkinder ohne progressive Übungseinheiten „Progress“ gemacht und schulrelevante (kognitive, sprachliche, mathematische, motorische, sozial-emotionale) Vorläuferkompetenzen erworben haben?

Wie sollen Kleinkinder plötzlich schulische Regeln befolgen, wenn sie vorher keine strukturierten, unterrichtsähnlichen Übungs- und Trainingsmöglichkeiten bekommen haben?

Durch „Big Magic“ oder eine plötzliche superschnelle „Transformation“ beim Schulstart?

Diese Logik passt für mich nicht zusammen. Wie ist das für Dich als Elternteil oder als Kita-Fachkraft?

Gründe für eine außerfamiliäre Vorbereitung auf die Schule

Warum also Kleinkinder in der Kita auf die Schule vorbereiten:

  • Weil der Schulstart jedes Kind mit realistischen Forderungen und Anforderungen konfrontiert.
  • Weil die Implementierung eines entwicklungsstufenbasierten Bildungsprogramms zusätzliche Entwicklungsförderung für alle Kita-Kinder sicherstellen kann. Mit einem Bildungsprogramm meine ich einen Lehr- und Lernplan, der entwicklungsstufenbasierte Übungsaktivitäten aus verschiedenen Bereichen wie Schreiben, Lesen, Mathematik, Bewegung, Naturwissenschaften, Sachkunde, angewandte Kunst für bestimmte Altersgruppe für den Zeitraum des Kita-Jahres umfasst.
  • Weil die Implementierung eines Bildungsprogramms auch als eine präventive Maßnahme dienen kann. So dass Kinder mit unterschiedlichen familiären und kulturellen Voraussetzungen den Übergang von der Kita in die Schule zuversichtlich meistern können. Aber auch, um rechtzeitig präventiv Defizite bzw. „Förderbedarf“ zu entdecken.

Herausforderungen für Lehrkräfte

Ich kann mir vorstellen, dass beim Schulbeginn einige Lehrkräfte vor großen Herausforderungen stehen: den Lehrplan erfüllen, den Unterricht in einer Schulklasse realisieren, die sich aus Kindern mit sehr verschiedenen Startbedingungen und Kompetenzniveaus zusammensetzt. Ich frage mich: wie kann und soll eine Grundschullehrkraft schulische Inhalte unterrichten und gleichzeitig fehlende schulrelevante Vorläuferkompetenzen kompensieren?

In der frühen Kindheit schon beginnen

Warum nicht den Übergang in die Schule etwas leichter machen, indem wir die Kita-Kinder – familienergänzend und familienunterstützend – spielerisch, aber kontinuierlich auf schulische Lernsituationen vorbereiten?

Die ersten Kindheitsjahre verfliegen; warum nutzen wir die Zeit nicht, um – neben freiem Spielen und selbstbestimmtem Lernen (was in der Kita weiterhin seinen Platz haben soll!) – schulrelevante Vorläuferkompetenzen bei dem Kita-Kindern gezielt zu fördern?

Es ist möglich. Und es kann mehr als nur Spaß für Kinder sein.